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Postkapitalistische Gedankenspiele
(Dieser Text ist das Ergebnis einer in mir schwelenden Ungewissheit und der Suche nach Antworten. Er ist sicherlich nicht perfekt, an mancher Stelle utopisch und kein ausgefeiltes Werk. Er ist nur Ausdruck dessen, was ich empfinde. Er bietet keine Lösungen. Aber ich hoffe, er wirft Fragen auf und regt zum Nachdenken an.)
Nicht nur aufgrund der aktuellen Lage und der vergangenen Monate habe ich mir die Frage gestellt, ob der Kapitalismus das beste System ist, oder einfach nur das beste System was wir bis jetzt haben. Und was es erfordert, ein besseres System zu etablieren.
Aber zunächst einmal die Frage, was am Kapitalismus falsch ist. Darauf gibt es eine relativ einfache Antwort, die jeder nachvollziehbar finden sollte:
Es ist nicht möglich, in einem endlichen System unendliches Wachstum zu erzeugen.
Auch wenn die Kapitalismugläubigen unter uns daran glauben möchten und weil unsere Banken und Anlageberater uns das erzählen, ist es nicht möglich, in einem natürlich begrenzten System – im größten anzunehmenden Fall also unseres gesamten Planeten – unendliches Wachstum zu erzeugen. Dazu fehlen nicht nur die Ressourcen zur Erzeugung, vor allem fehlt es an Abnehmern der Produkte.
Jeder Mensch benötigt nur eine begrenzete Anzahl von Produkten, die er während seines Lebens verkonsumiert. Um aber im Sinne eines Unternehmens jedes Jahr Wachstumssteigerungen zu erzielen, müsste dieses Unternehmen entweder jedes Jahr mehr von seinen Produkten verkaufen oder die gleiche Anzahl von Produkten günstiger und effizienter herstellen. Beides ist nur in einem begrenzten Umfang möglich und somit einem natürlichen Ende unterworfen.
Das bedeutet also, dass der Kapitalismus aus sich selbst heraus zum Scheitern verurteilt ist und sich entweder in einem Zyklus gesund schrumpfen muss bis die Blase endgültig platzt (irgendwann wird die Depression so groß sein, dass das System vollends kollabiert) oder der Kapitalismus als System muss ersetzt werden.
Und das zugrundeliegende Problem, was uns zu Anhängern des Kapitalismus macht, ist Geld.
Geld definiert uns. Mit Geld können wir uns nicht nur überlebenswichtige Waren kaufen, sondern vielmehr auch Komfort, Wohlstand, Freizeitvergnügen und nicht zuletzt Einfluss und Macht in quasi unbegrenzem Maße.
Um an Geld zu gelangen, stellen wir anderen unsere Arbeitskraft für einen gewissen Zeitraum zur Verfügung.
Und nicht zuletzt versuchen wir an Bildung und Kenntnisse zu gelangen, um unsere Arbeitskraft wertvoller und unentbehrlicher zu machen.
Alles, um an Geld zu gelangen.
Geld ist also der zentrale Vektor und die Triebfeder all unseren Handelns.
Menschen, die sich dem Geldsystem weitgehend entziehen, werden von uns als Außenstehende, Hippies, Verrückte, Aussteiger oder anderes bezeichnet und somit gesellschaftlich mehr oder weniger ausgegrenzt.
Um den Kapitalismus sinnvoll und nachhaltig überwinden zu können, ist es also notwendig, unsere Abhängigkeit vom Geld zu beseitigen.
Das bedeutet also, dass es für alle Menschen möglich sein muss, sich mit den Dingen des täglichen Bedarfs kostenfrei und in unbegrenztem Maße zu versorgen und das, ohne dafür Dritte auszunutzen oder anderweitig zu versklaven.
Wir reden hier von Technologie. Einer Technologie, die in der Lage ist, aus molekularen Bestandteilen komplexe Dinge zu schaffen. Nahrungsmittel, Dinge des täglichen Bedarfs, Technologie, Rohstoffe, letztendlich alles. Oder zumindestens so viel wie möglich.
In der Science Fiction von "Star Trek" existiert ein solches Gerät und nennt sich Replikator. Das wird auf den ersten Blick gerne als spinnerte Zukunftsvision abgetan, jedoch steckt in dieser Technologie der Schlüssel zu einer vollkommen neuen Gesellschaftsordnung.
Denn: Was wird passieren, wenn der lebensunterhalt eines jeden Einzelnen nicht mehr von der Verfügbarkeit oder der Menge des zur Verfügung stehenden Geldes abhängen würde?
In dieser Situation wäre der Erwerb und das Anhäufen von Geld nicht mehr wichtig für den Einzelnen. Es existieren keine monetären Abhängigkeitsverhältnisse mehr. Der Einzelne könnte sich somit seinem persönlichen Fortkommen widmen.
Es geht nicht mehr darum, arbeiten zu müssen um zu leben, sondern darum, zu leben. Und zu arbeiten, um das Leben individueller zu gestalten.
Natürlich ist das noch weniger als eine Zukunftsvision, es ist eine Utopie. Ein Wunschdenken, das vielleicht niemals eintreten wird. Aber wenn man bedenkt, dass wir in unserer momentanen Situation sehenden Auges in Richtung Abgrund rennen, ist es vielleicht an der Zeit, über Alternativen nachzudenken.
Denn diese Generation, zu der ich mich zähle, sowie alle nachfolgenden Generationen haben einen in meinen Augen gesunden Respektsverlust vor der Obrigkeit erlitten. Wir nehmen eine uns vorgesetzte Meinung nicht so ohne weiteres hin. Auch wenn sich diese Tendenzen momentan vor allem dann zeigen, wenn wir den von uns manchmal als unser Eigentum betrachteten Lebensraum Internet in seiner Freiheit bedroht sind, habe ich starke Hoffnungen, dass sich diese Tendenzen auch zunehmend in unseren Alltag verlagern werden und wir immer stärker anfangen werden, bestehende Strukturen zu hinterfragen und nicht mehr alles für bare Münze zu nehmen.
In einer Welt, die niemand in ihrer Gesamtheit erklären kann, wird es Zeit, nach neuen Fragen und Antworten zu suchen.
Und ich hoffe aufrichtig, dass meine Generation und die Generation meiner Kinder diese Fragen stellen wird. Und noch mehr hoffe ich, dass jemand diese Fragen beantworten wird.
Aufruf – Unfall mit Fahrerflucht am 12.05.2011 gegen 23.35 Uhr nach dem ESC-Halbfinale
Hat jemand von euch eventuell auf dem Rückweg vom zweiten Eurovision-Halbfinale auf dem Zubringer zur A44 an der Esprit-Arena einen Unfall mit Fahrerflucht beobachtet? Beteiligt waren ein Peugeot 206 CC mit Neusser Kennzeichen (das war ich) und ein Mazda (?) mit Dortmunder Kennzeichen, der mich am vorderen linken Kotflügel erwischt hat, als er kurz vor der Abfahrt meine Spur geschnitten hat. Da ich nur eine Chance auf Regulierung des Schadens habe, wenn der Unfallverursacher gefasst wird, würde ich mich sehr über eure Mithilfe freuen. Auch eine Weiterleitung des Links hilft, mit ein wenig Glück hat ja jemand was gesehen :-) Hier noch mal die genaue Position des Unfalls in Google Maps:
Größere Kartenansicht
Der virtuelle Staubsaugervertreter
Ich habe gerade folgende Kontaktanfrage per XING bekommen:
Sehr geehrter Herr Greger,
wie ich in Ihrem Profil lese, suchen Sie Kontakte. Da auch ich mein Netzwerk ständig um interessante Menschen erweitere, bitte ich Sie, mich doch in Ihr Netzwerk aufzunehmen.
Mit weihnachtlichen Grüßen
Dietmar J.
Der Herr verkauft offenbar Maßanzüge - und ist auch noch Ernährungsberater für Hunde und Katzen - und sein Profil liest sich so, als wenn es ihm auch nur genau darum ging.
Ich habe geantwortet:
Sehr geehrter Herr J.,
Sie haben richtig gelesen - ich suche Kontakte. Das ist in einem Netzwerk, welches zum Schaffen und Pflegen von Kontakten geschaffen wurde, wenig überraschend. (vgl. auch die Fragen "Ach, Sie auch hier?", "Schatz, schläfst du schon?" oder "Fliegen Sie auch nach Berlin?" im Flugzeug)
Allerdings neige ich dazu, meine Kontakte nach gewissen Kriterien auszuwählen. In meinen Kontakten finden sich zu weit über 95% nur Menschen, mit denen ich schon geschäftlich oder privat zu tun hatte, die ich persönlich getroffen habe oder an die ich eine konkrete Anfrage beruflicher oder privater Natur hatte.
Man könnte also behaupten, ich wähle mein Netzwerk hier sorgfältig aus. Eben weil es sich bei XING um ein Business-Netzwerk handelt.
Wenn ich ihr Profil so überfliege, beschleicht mich das Gefühl, dass Sie XING vor allem als Werbeplattform zum Abverkauf ihrer Bekleidungsprodukte zu nutzen versuchen.
Das wird - zumindestens in meinem Fall - nicht funktionieren.
Hätten Sie geschrieben,
dass Sie auf der Suche nach Beratung sind, was die Vermarktung von Nischenprodukten in sozialen Netzwerken angeht,
dass Sie versuchen, sich Online-Reputation aufzubauen, welche mittelfristig die Vermarktung ihrer Produkte erleichtert,
oder was auch immer - dann hätte die Sache vielleicht funktioniert.Aber Kontakt um des Kontaktes willen? Das hat den schalen Beigeschmack des virtuellen Staubsaugervertreters.
Ich denke, so kommen wir nicht ins Geschäft.
Ganz davon abgesehen, verfüge ich bereits über eine ausreichende Anzahl von Anzügen. Wenn Sie bis hierhin gelesen haben, dürfte dieser Satz für Sie der entscheidende gewesen sein. Stellen Sie sich einfach vor, ich hätte die Tür geschlossen, nachdem Sie mit ihrem Staubsauger vor meiner Tür gestanden haben.
Trotz alledem frohe Weihnachten
Henrik Greger
Den Namen habe ich natürlich anonymisiert.
Versteh einer Frauen...
Prioritäten setzen
"Hey, wir machen Schulden, dass euren Kindeskindern noch der Kopf qualmen wird." - "Hmja."
"Übrigens, wir sorgen dann mal dafür, dass die Reichen noch reicher werden und das sämtliche Ausgaben auf den Schultern der Niedrig- und Normalverdiener ausgetragen werden." - "Ach naja, wenns sein muss."
"Wo wir grad dabei sind - diese Gesundheitsvorsorge ist auch wirklich teuer. Ein paar Zusatzbeiträge werden da schon fällig werden. Aber glaub mal gar nicht, dass wir dir davon irgendwann mal einen Zahnersatz kaufen werden." - "Ja, sehen wir auch irgendwie ein."
"Hey, ich glaube wir haben einen Lauf. Superidee: Lasst uns den Großbänkern doch noch ein bisschen Zucker in den breiten Arsch pumpen." - "Klingt komisch, aber wenn ihr meint, dass das sein muss."
"Achso und in Stuttgart bauen wir einen neuen Bahnhof." - "SCHWEINE!!"
(Mein polemischer, grob verkürzender und vereinfachender Beitrag zu den aktuellen Geschehnissen. Ich krieg einfach nicht auf die Reihe, wie man sich über die letzten Monate und Jahre soviel Ungerechtigkeit reindrücken lässt, aber wenn ein - zugegeben fragwürdig sinnvoller - Bahnhof gebaut werden soll, entlädt sich der Volkszorn? Leute, kommt mal klar und setzt Prioritäten.)
Gulaschrezept - getestet und für sehr gut befunden
Gestern habe ich nach einem durch das Internet überlieferten Rezept Gulasch zubereitet. Da es wirklich sehr lecker war, schreibe ich das Rezept mal auf, damit ihr es bei Gelegenheit vielleicht mal nachkochen könnt:
Es beginnt natürlich wie jedes gute Rezept mit einer Zutatenliste:
- Rindfleisch (ich hatte das sogenannte Bürgermeisterstück ( http://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%BCrgermeisterst%C3%BCck )
- Zwiebeln (ich habe rote und weiße Zwiebeln gemischt, keine Gemüsezwiebeln und keine Schalotten)
- Rotwein zum Ablöschen
- Rinderfond
- Tomatenmark
- Paprikapulver (ich habe Rosenpaprika und edelsüßen Paprika verwendet)
- Majoran
- Kümmel
- Knoblauchzehen
- Zitronenschale
- getrocknete Chilischoten
- Salz und Pfeffer
- Schweineschmalz
Zunächst mal die Vorbereitungen:
Das Fleisch in möglichst gleich große und nicht zu kleine Stücke schneiden, ungefähr 4-5 cm Kantenlänge sollten es schon sein.
Zwiebeln schneiden. Die Zwiebeln können ruhig etwas grober geschnitten werden, da sie größtenteils eh verkochen und die Soße sämig machen. Wir brauchen ungefähr die gleiche Volumenmenge Fleisch und Zwiebeln (eine Schüssel Fleisch, die gleiche Schüssel voll mit Zwiebeln)
Würzpaste herstellen:
Aus 3 Knoblauchzehen, dem Abrieb einer Zitrone, Majoran und Kümmel (mengenmäßig etwa soviel wie die Knoblauchzehen) im Mörser eine Paste herstellen. Eventuell zur besseren Mörserbarkeit ein paar Tropfen Öl hinzugeben und alles schön kleinmörsern.
Und dann schreiten wir zur eigentlichen Zubereitung:
Man nehme einen großen Topf und lasse darin Schweineschmalz heiß werden. Dann gibt man die Zwiebeln hinzu und brät sie goldbraun. Das kann durchaus ein wenig dauern, Hauptsache sie werden nicht schwarz. Aber lieber etwas länger im Topf lassen als zu kurz.
Wenn die Zwiebeln eine schöne goldene Farbe haben, die Chilischoten hineinbröseln (wie viele es sein sollen, hängt natürlich von der persönlichen Schärferesistenz und der Gulaschmenge ab.).
Dann das Fleisch hinzugeben. Salzen und pfeffern. Das Fleisch so lange brutzeln lassen, bis der gesamte Fleischsaft ausgetreten und verkocht ist. Sprich: Fleisch rein, Fleischsaft austreten lassen, ab und an mal rühren bis das Fleisch wieder brät.
Dann das Fleisch ein wenig anbräunen lassen. Das Fleisch mit Paprika bestäuben und die Würzpaste hinzugeben. Die Würzpaste ist sehr geschmacksintensiv, deswegen vielleicht erst mal nicht übertreiben - man kann ja später noch nachwürzen.
Das Fleisch kurz mit dem Paprikapulver und der Paste weiterbraten lassen, aber nicht zu lang - sonst wird die Paprika bitter.
Mit Rotwein ablöschen, dabei die Reste, die sich am Topfboden gebildet haben, weitgehend lösen.
Den Rotwein komplett einkochen lassen, bis es wieder anfängt zu braten.
Dann mit Fond auffüllen bis das Fleisch komplett bedeckt ist. Ein wenig Tomatenmark hinzugeben, krüftig umrühren, damit sich nichts am Boden absetzt.
Und jetzt nur noch langsam einkochen lassen, bis eine schöne sämige schokoladenbraune Soße entstanden ist. Das dauert allerdings gerne mal zwei Stunden oder länger - also Geduld haben.
Es lohnt sich.
Paradigm Shift – Über Unternehmenskommunikation
Dieser kleine (naja, nicht ganz so klein) Text lag schon längere Zeit auf meiner Festplatte und bisher hat sich keine Gelegenheit ergeben, wohin man ihn mal schreiben könnte. Daher habe ich mir gedacht - bevor er schlecht wird - veröffentliche ich ihn fürs Erste einfach mal hier:
Paradigm Shift – Wie Unternehmenskommunikation heute funktionieren sollte
Die Art der Unternehmenskommunikation unterliegt durch das Aufkommen neuer Kommunikationsformen einem ständigen Wandel und Veränderung.So hat beispielsweise das Aufkommen von Rundfunk oder Fernsehen die Möglichkeiten von Unternehmen, mit ihren potentiellen Konsumenten zu kommunizieren, grundlegend verändert. Allerdings handelte es sich hierbei bedingt durch die Art des Mediums immer um eine eingleisige Kommunikation in Richtung der potentiellen Konsumenten. Heute - mit der weitreichenden Etablierung des Internets und der zunehmenden Verbreitung neuer Kommunikationskanäle - steht die Art der Kundenkommunikation von einem erneuten Paradigmenwechsel. Der potentielle Konsument oder Kunde ist nicht mehr länger der passive Empfänger von Werbebotschaften. Der Kunde erhält durch neue Kommunikationskanäle eine nie zuvor erlebte Mündigkeit gegenüber dem Unternehmen. Mit dieser neu erworbenen Mündigkeit muss das Unternehmen ebenfalls umgehen können. Unternehmenskommunikation findet nicht länger in ausschliesslich von dem Unternehmen kontrollierten abgegrenzten Bereichen statt. Vielmehr kommt es zunehmend zu einer Demokratisierung der Kommunikationskanäle. Der Kunde verschafft sich Gehör - indem er sich beispielsweise die Möglichkeiten sozialer Netzwerke im Internet zunutze macht. Und durch die globale Vernetzung vieler einzelner Kunden entsteht so ein Kommunikationsnetzwerk. Dieses Kommunikationsnetzwerk birgt für ein Unternehmen große Chancen aber auch fälschlicherweise als Risiken angesehene Neuerungen. Zunächst zu den vermeintlichen Risiken: Das einzige tatsächlich existierende Risiko besteht darin, den Anschluss zu versäumen. Der Kunde gewöhnt sich schnell an seine neue Mündigkeit, die ihm durch die Verwendung neuer Kommunikationsformen gegeben wird. Wenn diese Mündigkeit auch durch andere Unternehmen unterstützt und gefördert wird, wird die Gefahr, hier den Anschluss zu verpassen immer größer. Aus diesem Grund ist das Engagement von Unternehmen in sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter stark auf dem Vormarsch. Ein oftmals von Unternehmensseite vorgeschobenes Bedenken ist die Gefahr, dass man die Kontrolle über die eigene Kommunikation aufgibt. Eine häufige Frage lautet “Wer kontrolliert denn das, was dort geschrieben wird?” – Die Antwort ist recht einfach. Das Unternehmen selbst. Allerdings verändert sich der Kontrollmechanismus. Wir reden nicht mehr von Abstimmungen und Entscheidungsfindungen bezüglich einer gerichteten Kommunikation auf den Kunden, sondern vielmehr von einer Dialogsituation mit dem Kunden, die es zu meistern gilt. Daher sind soziale Medien auch weniger als ein Instrument der Werbung, sondern als ein Werkzeug der Unternehmenskommunikation zu betrachten. Der Kunde ist bereits mitten in einem Emanzipationsprozess, der nicht mehr aufzuhalten ist. Man kann als Unternehmen nur die geeignete Antwort finden. Und damit sind wir auch beim vordringlichsten Grund, weswegen sich die Art der Unternehmenskommunikation wandeln muss: Der Kunde wird in jedem Fall über das Unternehmen reden. Was er früher im Freundes- und Bekanntenkreis getan hat, tut er jetzt öffentlich. Und er findet viel schneller Gleichgesinnte. Wie aber soll man als Unternehmen reagieren, wenn man den Unmut seiner Kunden, der sich in den Kanälen sozialer Medien ansammelt, nicht mitbekommt? Weil man diesen Kanal bisher in seinem Kommunikationsportfolio unterschätzt oder gar ignoriert hat? Und jetzt, wo dieser Kanal plötzlich und rapide an Bedeutung gewonnen hat, wie kann ich als Unternehmen meine Strategie daraufhin ausrichten? Ist es an dieser Stelle nicht viel besser und nachhaltiger, sich bereits bevor die Kommunikationskanäle sich gegen mich wenden, an diesen Stellen kompetent und glaubwürdig zu platzieren? Den Kunden eine Anlaufstelle innerhalb ihrer Lebenswirklichkeit zu geben? Letztendlich geht es nur darum, den Kunden innerhalb seines kommunikativen Netzwerks als Kommunikationspartner auf gleicher Höhe zu akzeptieren. Mit ihm den Dialog im Sinne des Unternehmens zu suchen. Ihn öffentlich ernst zu nehmen. Hier steckt der Paradigmenwechsel. Nicht in der Verbreitung eines neuen Mediums oder im stetig wachsenden Erfolg eines sozialen Netzwerkes. All das sind nur die Indikatoren und die sichtbaren Auswirkungen des Paradigmenwechsel. Der Paradigmenwechsel steckt in der Emanzipierung meiner Zielgruppe. Man kann als Unternehmen nicht mehr länger davon ausgehen, dass meine Zielgruppe eine passiv Werbebotschaften konsumierende Masse von potentiellen Kunden ist, die bei genügender Beschallung mit einer durch meine Marketingstrategie festgelegten Weise reagieren wird. Vielmehr muss ich davon ausgehen, dass meine Zielgruppe mündig geworden ist. Sie wird meine Botschaft hinterfragen – und das in aller Öffentlichkeit. Sie wird die Sinnhaftigkeit meiner Kommunikation diskutieren – und das in global agierenden Netzwerken. Und deswegen ist es jetzt an der Zeit, als Unternehmen mein Kommunikationsportfolio zu überarbeiten. Sie als Unternehmen benötigen eine Strategie, wie sie mit ihrer angestrebten Zielgruppe innerhalb ihrer Lebenswirklichkeit auf Augenhöhe im Sinne ihrer kommunikativen Ziele kommunizieren wollen. Und das ist keine Aufgabe, die man in die Hände von unterbezahlten Praktikanten oder externen Dienstleistern legen sollte. Das ist eine Aufgabe, die zum einen ein hohes Maß an Wissen über moderne Kommunikationsmaßnahmen erfordert. Aber von allem ist es eine Aufgabe, die ein präzises und unerschütterliches Wissen um die kommunikativen Ziele des Unternehmens erfordert. Wir reden an dieser Stelle nämlich nicht über das Auswendiglernen von Werbebotschaften – wir reden von einem fundierten Wissen um die Kommunikationsziele des eigenen Unternehmens gepaart mit der Fähigkeit, im Sinne des Unternehmens in den Dialog mit den Konsumenten zu treten. Unternehmenskommunikation kann aber noch viel weiter gehen, womit ein zweiter Paradigmenwechsel ansteht, der sich aber in verschiedenen Unternehmen bereits seit geraumer Zeit abzeichnet. Warum sollte Unternehmenskommunikation hoheitlich in einer einzigen Hand liegen? Wenn wir von der Emanzipation und der Mündigkeit der Konsumenten reden, warum werden genau diese Techniken nicht auch für das eigene Unternehmen verwendet? Warum sollte nicht innerhalb des Unternehmens eine neue Kultur geschaffen werden? Eine Kultur, die jeden Mitarbeiter im Rahmen seiner Möglichkeiten zu einem Multiplikator von kommunikativen Botschaften im Sinne meiner Strategie macht? Eine umfassende Unternehmenskultur. Wir reden hier nicht vom morgendlichen Singen eines Unternehmenssongs oder vom Tragen von T-Shirts oder Anstecknadeln - zumindestens nicht so lange, wie es nicht aus einer inneren Überzeugung des Einzelnen heraus geschieht. Welcher Mitarbeiter wirft ein besseres Licht auf sein Unternehmen und hat eine positivere Wirkung auf seine Umgebung? Der Mitarbeiter, der aufgrund einer Dienstvorschrift zum Tragen von Unternehmenskleidung angehalten wird, oder derjenige Mitarbeiter, der zwar das Gleiche tut, aber aus einem inneren Antrieb heraus, der ihm sagt, dass sein Job und sein Unternehmen für ihn etwas bedeuten und er diese Überzeugung mit seinem Umfeld teilen möchte? An dieser Stelle reden wir nicht von einem kurzfristigen Prozess. Vor allem aber reden nicht von einem Prozess, der den Mitarbeitern als Unternehmensstrategie präsentiert werden kann. Wir reden von einem zarten Pflänzchen, welches mit Bedacht und Umsicht innerhalb der Mitarbeiter kultiviert werden möchte, um schliesslich den gewünschten Effekt zu haben. Diese Kultivierung kann mit der Schaffung eines positiven Arbeitserlebnisses beginnen. Dem guten Verhältnis zwischen Kollegen. Einem gewissen Freiraum, der den Mitarbeitern gegeben wird. Dem Gefühl, ernst genommen zu werden und nicht nur willfähriger Befehlsempfänger für die Belange anderer zu sein. Ein Unternehmen aus der Internetbranche soll an dieser Stelle als Beispiel dienen, um eine moderne Unternehmenskultur darzustellen: Google. Google ist das wertvollste Unternehmen der Welt und eines der erfolgreichsten. Nicht zuletzt hat Google in nicht einmal 20 Jahren den Wert von Unternehmen überflügelt, die diesen über Jahrzehnte und teilweise über Jahrhunderte aufgebaut haben. Wie ist das passiert? Nicht zuletzt dadurch, dass Google es geschafft hat, einige der fähigsten Experten auf ihrem Gebiet für sich zu gewinnen und diesen Experten im Rahmen ihrer Arbeit den nötigen Freiraum zu gewähren. Jeder Mitarbeiter von Google wird dazu ermutigt, zwanzig Prozent seiner Arbeitszeit auf die Entwicklung neuer Ideen zu verwenden – unabhängig davon ob diese auf den ersten Blick vernünftig erscheinen oder nicht. Diese Ideen werden innerhalb des Unternehmens veröffentlicht und kultiviert. Und aus diesen Ideen entstehen Produkte. Verschiedenste Google-Services sind auf diese Weise entstanden und stehen zur Verfügung. Wäre es auch dazu gekommen, wenn die Google-Mitarbeiter ausschliesslich dazu angehalten worden wären, den Anordnungen ihrer Vorgesetzten Folge zu leisten? Wenn Sie ihrer Kreativität keinen freien Lauf hätten lassen dürfen? Wie können Sie als Unternehmen ihre Mitarbeiter ein wenig mehr motivieren? Wie können ihre Mitarbeiter durch kreatives Engagement ihr Unternehmen nach Vorne bringen? Und nicht zuletzt: Wie können Sie ihre Mitarbeiter zu überzeugten Botschaftern ihrer Unternehmenskultur machen? Wie bringen Sie ihre Mitarbeiter dazu, mit Stolz und Überzeugung von ihrem Unternehmen zu erzählen? Das sind Fragen, die im Rahmen einer modernen Unternehmenskommunikation gestellt werden sollten. Zum Wohle ihres Unternehmens, zur positiven Stärkung ihres Markenbildes innerhalb ihrer Zielgruppe und zur Sicherung einer nachhaltig erfolgreichen und zeitgemäßen Kommunikationstrategie. All das, was hier in kurzen Worten dargelegt wurde, ist der Grundstein für einen Prozess, der die Kommunikationsmaßnahmen ihres Unternehmens sowohl nach außen als auch nach innen nachhaltig verändern wird. Es ist der erste Schritt auf dem Weg zu einer modernen Unternehmenskommunikation mit zwei zentralen Leitsätzen: Konsumenten als Kommunikationspartner auf Augenhöhe akzeptieren. Mitarbeiter zu überzeugten Botschaftern der eigenen Unternehmenskultur machen.
Bildquellen (alle Bilder unter CC-Lizenz):
Be quite, consume, die x - flickr.com/photos/eschipul/4310989519/
Communication – flickr.com/photos/artrock2006/4177475479/
Regalos de Navidad – flickr.com/photos/bichop/476385721/
Blue uniformed women and two costumed characters – flickr.com/photos/ethanhein/1555939236/






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